transalpin
Unser „Alpenbild“ hat sich, je mehr die Wildheit der Berge zivilisatorisch gebändigt und die natürlichen Gefahren eingedämmt wurden, von der rauen Lebenswirklichkeit getrennt. Es hat sich zu einer ikonografischen, touristisch äußerst ergiebigen Gegenwelt von Klängen, Bildern, Mythen und Stereotypen verselbständigt.
Seit dem 19. Jahrhundert ist die Alpen- und Bergwelt ein metaphorischer Lebensraum geworden, ein europäischer Sehnsuchtsraum par excellence. Wie überall, wo Vergleichbares geschah, geriet das volkskulturelle Erbe unter die Räder. Seinem traditionellen Sinnzusammenhang entzogen, wurde es zwischen forcierter touristischer Vermarktung und musealer Bewahrung zerrieben.![]()
Mit dem Projekt „echo“ hat die Kulturstiftung „pro helvetia“ 2007 eine schweizweite Verständigung über den Wert und die Erneuerung des volkskulturellen Erbes für das 21. Jahrhundert angestoßen. Laien und professionelle Musiker, Musik- und Kulturwissenschaftler, Vereine und Verbände haben diesen Anstoß aufgenommen und beteiligen sich auf unterschiedlichen Ebenen, teilweise auch kontrovers. Vielleicht hat diese Wertschätzung und Erneuerung der Volksmusik in Ländern wie der Schweiz auch damit zu tun, dass sie nicht als Sphäre niederer, bäuerlicher und plebejischer Spielarten aus dem Musikbetrieb und der musikalischen Ausbildung ausgegrenzt oder in ihren „volkstümlichen“ Spielarten den Traditions- und Heimatverbänden überlassen und musealisiert wurde. Festivals wie Alpentöne in Altdorf und Naturstimmen im Toggenburg sind wichtige Keimzellen und Labors für die musikalische Begegnung von Tradition und Moderne, Eigenem und Fremdem, im Schweizer Rundfunk finden sie entsprechenden Widerhall und Unterstützung.
Im Alpenraum beobachten wir heute ein neues Interesse an regionalen kulturellen Überlieferungen, das über die reglementierten Aktivitäten der Traditionsverbände und Heimatschützer längst hinaus gewachsen ist. Kreative Musiker, Komponisten, Sängerinnen und Sänger aller zeitgenössischen Genres schöpfen aus dem Reservoir des volkskulturellen Erbes die Kraft für ein neues Modell der Versöhnung von Volks- und zeitgenössischer Populärkultur. Eine faszinierende kulturelle und künstlerische Bewegung.
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