Sie singt Wiegenlieder, Liebes- und Klagelieder, Heimat- und Heimwehlieder – kasachische, aserbaidschanische, anatolische oder aus der Schwarzmeer-Region stammende Volkslieder. Und sie singt diese Lieder pur; so pur, dass man das Persönliche und Eigene in der Annäherung an das Fremde spürt. Manchmal klingt das hart und schmerzt, als würde das in den Liedern eingekapselte Leben und Leid nackt und schutzlos aus ihnen hervorspringen. Oft sucht Saadet Türköz dann improvisierend das Weite, lässt daraus neue Kompositionen mit eigenen Texten entstehen. Auch diese neuen Lieder gehören zu ihrem Repertoire.
Erinnern, bewahren und rekonstruieren – weitergehen, gestalten und befreien: Die zwei gegenläufigen Bewegungen ihres Lebens spiegeln sich in ihrer Kunst. Als Tochter kasachischer Flüchtlinge aus Ost-Turkestan in Istanbul geboren, landete sie in den späten 80er Jahren in der Schweiz und begann zu singen, zwischen den zwei Polen, bis heute: als musikalische Ahnenforscherin auf den Spuren ihrer kasachischen Vorfahren aus dem Hochland Zentralasiens und als neugierige Reisende, offen für neue Erfahrungen und Experimente mit Musikern aus der ganzen Welt.