Alte Musik auf neuen Wegen: Multiple Voices

Wann hat man die Gelegenheit, die Entstehung eines Werkes – noch dazu eines in seiner Einmaligkeit absolut überwältigenden – Stimme für Stimme verfolgen zu können, so als würde der Komponist in diesem Moment die Partitur notieren?

Heute erhalten Sie diese Gelegenheit in der Stadtkirche Lörrach: Zwischen dem ersten Ton der ersten Stimme um 16 Uhr und dem prachtvollen Gesamtklang um 24 Uhr machen sich Terry Wey und Ulfried Staber jede einzelne Note der monumentalen, 40-stimmigen Motette „Spem in alium“ zu Eigen.

Das Werk von Thomas Tallis (ca. 1505-1585) gehört zu den beeindruckendsten Kompositionen der Musikgeschichte, gleichzeitig aber auch zu den am schwierigsten aufführbaren: 40 Sänger, deren Stimmen sich in idealem Verhältnis zueinander mischen und sich zu einem großen Klanggebilde verschmelzen. Ensemble Cinquecento, dessen Name sich vom italienischen Begriff für das 16. Jahrhundert herleitet, und in seiner paneuropäischen Struktur dem Vorbild der kaiserlichen Hofkapellen zur Mitte des letzten Jahrtausends folgt. In dieser Blütezeit bezogen die höfischen Kapellen hochqualifizierte Musiker aus den wichtigsten musikalischen Institutionen ganz Europas. Erklärtes Ziel des, im Oktober 2004 gegründeten Ensembles ist es, das vielfältige polyphone Repertoire des sechzehnten Jahrhunderts, und die darin Anwendung findenden verschiedenen Kompositionsstile zu erhellen, und dem heutigen Publikum näher zu bringen. Besondere Aufmerksamkeit wird hierbei der noch weitgehend unbekannten polyphonen Musik des kaiserlichen Hofes geschenkt. Erklärtes Ziel des, im Oktober 2004 gegründeten Ensembles ist es, das vielfältige polyphone Repertoire des sechzehnten Jahrhunderts, und die darin Anwendung findenden verschiedenen Kompositionsstile zu erhellen, und dem heutigen Publikum näher zu bringen. Besondere Aufmerksamkeit wird hierbei der noch weitgehend unbekannten polyphonen Musik des kaiserlichen Hofes geschenkt.

Ein ungewöhnlicher Gedanke stand bei der Konzeption dieses einzigartigen Projekts im Vordergrund: „Spem in alium“ soll in der mehrstündigen Aufführung nicht vertikal, sondern horizontal hörbar und damit die Konzertbesucher Zeugen des „Kompositionsprozesses“ werden. Die vierzig Stimmen werden von den beiden Musikern einzeln nacheinander gesungen und anschließend vom live in der Kirche platzierten Klangregisseur in eine Stimme geloopt. Aus den 16 Lautsprechern strömt eine Stimme nach der anderen in den Raum. Wie ein gigantisches Renaissance-Puzzle erschließt sich so die Motette dem Zuhörer Stimme für Stimme, bis mit dem Glockenschlag zu Mitternacht das vollendete vierzigstimmige Werk erklingen wird.

Heute in der Stadtkirche: Alte Musik auf neuen Wegen: Multiple Voices