Bereits 1982 veröffentlicht BAP mit „Kristallnaach“ ein brennendes politisches Statement: ein kölsches Lied zur Erinnerung an die Pogromnacht, das gegen das Vergessen mahnt und vor rechtem Gedankengut warnt. Der Song entwickelt sich schnell zum Live-Klassiker und bleibt als akustisches Warnsignal gegen neue, demokratiefeindliche Tendenzen stets aktuell.

Die damit schon ganz zu Beginn der Bandgeschichte entstehende politische Reichweite nutzt BAP gezielt – und positioniert sich klar: Auf einer Friedensdemo in Bonn tritt die Band 1983 vor hunderttausenden Menschen auf, ebenso beim Anti WAAhnsinns Festival im Juli 1986 – nur wenige Monate nach dem Super-GAU in Tschernobyl. 1992 folgt dann das legendäre „Arsch huh, Zäng ussenander“ in Köln – eine Initiative auch unter Niedeckens Federführung, die unzählige Menschen mobilisiert und ein deutliches Zeichen gegen Rassismus setzt.

Wie ein roter Faden zieht sich das Verständnis der eigenen Popularität als Vehikel, mit dem auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam gemacht werden kann, durch die Karriere von Niedecken: Seit 2004 ist er Sonderbotschafter für „Gemeinsam für Afrika“ und unterstützt das Projekt Rebound, das ehemaligen Kindersoldaten in Uganda hilft. Für diese humanitäre Arbeit erhielt er 2013 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Er fördert Schulpatenschaften in Deutschland, protestiert gegen Kinderausbeutung und positioniert sich zum Schutz von Frauen.

Gegen rechte Strömungen zeigt Niedecken bis heute ganz klare Kante: Bei den Radio Regenbogen Awards 2025 kritisiert er, dass Radiosender zu selten „Songs gegen rechts“ spielen, obwohl viele Künstler bereit seien, ihre Stimme zu erheben. Er fordert ein medienseitiges Tätigwerden, damit Kunst gegen das Vergessen ernst genommen wird.

Trotz dieses umfassenden Engagements und aller politischer Klarheit betont Niedecken stets, dass BAP nie als politische Band gegründet wurde – vielmehr kam der Protest aus persönlicher Überzeugung, ungeplant und authentisch. Auf diese für sie ganz eigene Art und Weise mischen sich Niedecken und BAP bis heute ein, stoßen Debatten an und zeigen ein ums andere Mal: Kunst kann viel mehr als unterhalten.