„Frischer Wind mit dem Asambura Ensemble” so überschrieb der WDR unlängst einen Beitrag, in dem dieses Ensemble vorgestellt wurde. Stimmt das? Bringt Ihr frischen Wind in die Musikszene?
Wir möchten unterschiedliche musikalische Traditionen aus aller Welt zusammenbringen und gewohnte Konzertformate hinterfragen. So entsteht Neues, das Brücken zwischen Kulturen und Menschen baut – und vermeintlich Bekanntes durch Begegnungen neu erfahrbar macht: künstlerisch, vermittelnd und gesellschaftlich relevant.


Maximilian, Du bist maßgeblich als Komponist der Musik, die das asambura ensemble interpretiert, beteiligt. Wie kam es zur Gründung dieses Ensembles und was zeichnet sein Musizieren aus?
Das asambura ensemble entstand aus dem Wunsch heraus, Musik als Begegnungsraum zu gestalten. Wir verbinden oft europäische Kunstmusik mit Musiktraditionen aus anderen Kulturen – mit Menschen, die eigene musikalische Prägungen einbringen. „asambura“ – ein Anagramm der tansanischen „Usambara“berge mit ihrem Blick in die unendlichen Weiten – lädt dazu ein, über den eigenen Horizont zu blicken. Unser Musizieren lebt vom Dialog, vom gegenseitigen Zuhören und dem Miteinander in Vielfalt.


Was hat Dich, Maximilian, daran gereizt, für Lux Perpetua gerade Mozarts Requiem als Grundlage für eine neues Chorwerk zu verwenden? Worum geht es in diesem Werk eigentlich?
Mozarts Requiem ist eines der bekanntesten Werke der europäisch-klassischen Musikgeschichte – gleichzeitig unvollendet und voller Fragen. Mich reizte die Idee, dieses Werk als Ausgangspunkt für eine transkulturelle Auseinandersetzung mit Tod, Trauer und Hoffnung zu nehmen. Lux Perpetua stellt dem lateinischen Requiem unter anderem arabische, persische und jüdische Texte gegenüber – eine Art vielstimmiges Nachdenken über Vergänglichkeit und Trost, über das, was uns über kulturelle Grenzen hinweg verbindet, und warum uns Vorstellungen von Ewigkeit(en) trösten können.


Joss, Du bist seit 2022 künstlerischer Leiter des Motettenchors Lörrach, eines sehr traditionsreichen Konzertchors, der im nächsten Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert. Seit einem Jahr leitest Du auch Konzerte des asambura ensembles. Inwiefern fandst Du es vielversprechend, diese beiden Ensembles in einem Konzert zusammen zu bringen?
Mich faszinierte die Idee eines gemeinsamen Konzertes beider Ensembles schon lange. Bei einem Werk wie Lux Perpetua zeigen sich für mich neue Dimensionen der Auseinandersetzung mit jener Chorliteratur auf, die auch für den Motettenchor zum Kernrepertoire zählt. Ein „vertrautes” Werk neu zu deuten und es in einen Dialog zu bringen, es in einen Kontext mit unserem gegenwärtigen Zusammenleben zu stellen, das halte ich für ungemein wertvoll. Und das Besondere ist, wie hier die
gesellschaftliche Ebene mit der musikalisch-klanglichen verschmilzt und darin aufgeht: als Zuhörer erlebt man bei diesem Stück etwas, das nur Musik so transportieren kann.


Die zwei Konzerte des asambura ensembles, die ich miterleben durfte, endeten mit begeistertem Beifall des zahlreichen Publikums; es gab „Standing Ovations”. Was glaubt Ihr, ist es, das Eure Zuhörerinnen und Zuhörer so sehr anspricht?
Das ist vielleicht die emotionale Unmittelbarkeit. Wir bringen sehr unterschiedliche musikalische Sprachen zusammen – und schaffen damit einen Raum, der Menschen auf einer tieferen Ebene berühren kann, besonders in Momenten, in denen sich Menschen nach Verbundenheit sehnen. Wir können das als Raumöffnung verstehen, gegenüber dem vermeintlich Unbekannten. Das verbindet Konzertierende und Zuhörende: untereinander, aber auch miteinander!

Die Fragen stellte Elisabeth Moderegger, Sängerin im Motettenchor Lörrach.