Mit der neuen Programmschiene „STIMMEN ohne Grenzen“ hat das STIMMEN-Festival 2026 sein Portfolio erweitert. Erstmals wurden Veranstaltungen realisiert, die gesellschaftliche und politische Fragestellungen in den Mittelpunkt rückten und damit den namensgebenden Gedanken des Festivals auf besondere Weise erweiterten. Denn STIMMEN steht nicht nur für Musik, Gesang und künstlerischen Ausdruck, Stimmen prägen auch den gesellschaftlichen Diskurs, verleihen unterschiedlichen Perspektiven Gehör und ermöglichen Verständigung über Grenzen von Generationen und politischen Überzeugungen hinweg. Vor diesem Hintergrund verstand sich die neue Programmschiene als Einladung zum Nachdenken, Diskutieren und Zuhören.
Den Auftakt bildete der in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Kultur der Stadt Lörrach organisierte Vortrag des Philosophen und ehemaligen Kulturstaatsministers Julian Nida-Rümelin zum Thema „Wie kommen wir aus der Demokratiekrise in Zeiten des Epochenbruchs?“. In diesem widmete er sich den Herausforderungen, vor denen liberale Demokratien in einer Zeit geopolitischer Umbrüche, gesellschaftlicher Verunsicherung und zunehmender Polarisierung stehen. Im Zentrum standen Fragen nach den Grundlagen demokratischen Zusammenlebens, dem Verhältnis von Mehrheitsentscheidungen und rechtsstaatlicher Ordnung sowie der Bedeutung von Vernunft, Verantwortung und politischer Teilhabe für das Funktionieren demokratischer Gesellschaften.
Im anschließenden Gespräch mit dem Basler Soziologen Ueli Mäder wurde der Blick auf gesellschaftliche Entwicklungen und soziale Rahmenbedingungen erweitert. Diskutiert wurden unter anderem die Auswirkungen wachsender Ungleichheiten, die Bedeutung gesellschaftlicher Teilhabe sowie die Frage, wie demokratische Gesellschaften ihre Fähigkeit zum konstruktiven Umgang mit Widersprüchen und Interessenskonflikten bewahren können. Dabei wurde deutlich, dass Demokratie nicht von Einigkeit lebt, sondern von der Bereitschaft, unterschiedliche Positionen auszuhalten und im Gespräch zu bleiben.
Mit dem Workshop „Sprechen & Zuhören“ folgte ein Format, das den Gedanken des Dialogs unmittelbar in die Praxis überführte. Jugendliche und junge Erwachsene aus Lörrach trafen dabei auf kommunalpolitische Mandatsträger, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Der Workshop war bewusst als geschützter Raum konzipiert, in dem nicht öffentliche Positionierungen, sondern das gegenseitige Zuhören, das Verstehen unterschiedlicher Perspektiven und der respektvolle Austausch im Vordergrund standen. Aus Respekt vor diesem vertraulichen Rahmen werden die konkreten Gesprächsinhalte nicht öffentlich gemacht. Festhalten lässt sich jedoch, dass das Format bei allen Beteiligten auf große Zustimmung stieß. Sowohl die jungen Teilnehmenden als auch die Vertreter der Kommunalpolitik beschrieben die Begegnungen als bereichernd und konstruktiv. Neue Perspektiven wurden sichtbar, bestehende Sichtweisen hinterfragt und der direkte Austausch als wertvolle Erfahrung wahrgenommen.
Die positive Resonanz auf beide Veranstaltungen zeigt, welches Potenzial in der Verbindung von Kultur, gesellschaftlichem Dialog und demokratischer Teilhabe liegt. Mit „STIMMEN ohne Grenzen“ ist dem STIMMEN-Festival ein vielversprechender erster Aufschlag gelungen, der das Festival um eine gesellschaftliche Dimension erweitert und zugleich neue Möglichkeiten für seine zukünftige Entwicklung eröffnet. Wie sich die Programmschiene in den kommenden Jahren konkret weiterentwickeln wird, bleibt bewusst offen. Der erfolgreiche Auftakt hat jedoch deutlich gemacht, dass gesellschaftliche Debatten und kulturelle Veranstaltungen einander produktiv ergänzen können und dass auch diese Form des Zuhörens und Gehörtwerdens ihren Platz im STIMMEN-Festival hat.