Über Jahrhunderte war Musikgeschichte vor allem Männersache – jedenfalls auf dem Papier. Die Komponistinnen, Texterinnen, Interpretinnen waren da, sie wirkten, sie schrieben, sie sangen – aber zu oft am Rand, im Schatten, im Verborgenen. Und viel zu selten wurde ihre Arbeit als das anerkannt, was sie war: ein fundamental wichtiger Beitrag zur Kunst. Noch heute ist die Bühne nicht automatisch ein gerechter Ort. Noch heute müssen sich viele Künstlerinnen, die sich nicht in gängige Rollenbilder fügen, mühsam Gehör verschaffen. Wallis Bird kann davon im wahrsten Sinne des Wortes ein Lied singen.

Foto: Gregor Hohenberg

Die irische Musikerin, queer, unbequem und tief berührend, hat sich ihre Stimme erkämpft. Ihre Songs sind ein Gegenentwurf zum glatten Pop-Format: wild, ehrlich, körperlich. Und immer getragen von einer bestimmten Haltung: Ich bin hier. Ich gehöre dazu. Ich singe. In „Visions of Venus“ – aktuell in der Shortlist für den diesjährigen OPUS Klassik – geht Wallis Bird noch einen Schritt weiter: Gemeinsam mit Spark – einem Ensemble, das Klassik radikal neu denkt – begibt sie sich auf eine musikalische Reise durch ein Jahrtausend weiblicher Komposition. Hildegard von Bingen, Clara Schumann, Kate Bush, Tori Amos, Joni Mitchell – verbunden nicht durch einen Stil, sondern durch den Mut, im wahrsten Sinne des Wortes die Stimme zu erheben, angetrieben vom Wunsch, gehört werden zu wollen. 

Was das Publikum an diesem Abend erwartet, ist keine gefällige Hommage, sondern ein klanggewaltiger Aufstand: gegen das Vergessen, gegen Schubladen, gegen die Idee, dass „große Kunst“ nur an bestimmten Orten entstehen darf – oder von bestimmten Menschen. Ein Abend, der zeigt, wie viel Zukunft in der Geschichte steckt und wie lebendig sie klingen kann.

Tickets für dieses außergewöhnliche Konzert gibt es hier.

VIDEO: Wallis Bird & Spark - Visions of Venus